Gedanken zum Projekt Rollenspiel

Anarchie macht mindestens der Hälfte der Beteiligten keinen Spaß

Ein Essay darüber, warum man Gameplay Grenzen setzen sollte und weshalb Regeln & Gesetze im Spiel, wie im echten Leben, die Grundlagen für ein funktionierendes Zusammenleben darstellen.

Wieso aber sollte man Spieler einschränken?

Ganz einfach: Damit das Spiel ALLEN Beteiligten Spaß macht. Doch um das verständlich zu machen, muss ich etwas weiter ausholen.

Meine Rollenspiel Karriere begann, durch mein etwas älteres Semester, mit Ultima Online – das Standardmäßige Ultima Online war mir aber schon damals teilweise zu unberechenbar - weshalb ich schnell Zuflucht in der deutschen Rollenspiel Freeshard Szene  fand. Über viele Jahre bis zur Erscheinung von World of Warcraft war auch alles mehr oder weniger in Ordnung. Dann begann ein gewisser Spielerschwund und was noch viel schlimmer war: fehlender Nachwuchs. Die Causalisierung die mit WoW, seiner Spielbarkeit auf vielen, auch schwachen Rechnern hat sehr viel Nachwuchs aus der Szene genommen und es tummeln sich da draußen mit Sicherheit viele Leute, die gar nicht wissen, was für tolle ECHTE RPGler aus Ihnen geworden wären.
Aber soviel zu meiner Vergangenheit. Mir waren stets zwei Dinge wichtig: Rollenspiel  & eine akzeptable Spielerzahl, die es mir ermöglicht, das auch effektiv zu betreiben. Durch die Vielfallt der Freeeshard Szene gab es zwar ein recht großes Angebot an verschiedenen Shards, allerdings aber auch eine Verteilung/Zersplitterung der Spielermasse auf selbige.

Nun aber zurück zur Gegenwart

Eine weitere Sache, die mir wichtig ist, war schon immer aber auch Grafik. Ich bekenne mich des Grafikhurrentums schuldig. Mittlerweile gibt es auch einige Alternativen, die auf ähnliche Weise wie früher Ultima Online in der Freeshard variante gespielt werden – dazu gehören zum Beispiel:
Oder andere, die hier keine Erwähnung finden. Diese Spiele haben in meinen Augen das Potential für Rollenspiel genutzt zu werden WENN man ein entsprechendes Regelwerk unterlegt sowie InGame Gesetze etabliert, die von der Speerschaft (oder ihrem Großteil) befolgt werden.

Dinge die mir nicht Gefallen, sind in heutigen Spielen wie Reing of Kings, Rust etc. aber auf vielen Servern Gang und Gäbe: Sinnloses Töten von neuen Spielern, Zerstören von Häusern, Ausrauben von Leuten und das Klauen aller Habseligkeiten. Alles ohne ein Wort zu verlieren (Wobei das bei gekonntem Diebstahl ja noch okay wäre). 
Dieses Verhalten ist für all die jenigen, die ausgeraubt, gemeuchelt oder sogar gefangen genommen und eingesperrt werden natürlich nicht akzeptabel. Diese Leute sind nämlich keine „Opfer“ oder „Noobs“: Sie sind ganz normale Spieler, die versuchen sich etwas aufzubauen.

Die Communities, die Menschen hinter den Spielern, sind oft daran schuld, dass eine toxische Atmosphäre entsteht. Durch diese Atmosphäre werden dann Leute, die selbst nicht dazu neigen würden sich solcher Aktionen zu bedienen, um ihr Überleben zu sichern dazu gezwungen was zu einer moralischen Abwärtsspirale führt. (Serien wie „The walking Dead“ spielen genau mit diesem Sachverhalt und fesseln Millionen an den Monitoren).
Wenn dies allerdings nicht notwendig ist, weil solches gesellschaftsfeindliches (Auf die Ingame Gesellschaft bezogen) Verhalten durch die Ingame Götter, Outgame Admins/Gamemaster bestraft wird, sollte ein geregeltes Zusammenleben auch ohne Hardcore Rollenspieler zu sein und Hardcore Rollenspiel Kenntnisse vorauszusetzen, durchaus möglich sein.

Das heißt nicht, dass ich nur bauen und nicht kämpfe und dass es auf meinem Server (Reign Of Kings Server: [GER/DE]Harthoria - RP) langweilig ist.

Die Gesetze, Regeln und die Geschichte des Landes, das von Dir als Mitspieler mitgeprägt werden kann, bieten nur einen Rahmen für das, was letzten Endes passiert. Einige Beispiele für Rollenspiel gefällig ?

Situation 1: Dolph ist neu und heiß auf Ressourcen, weil er sich eine Burg bauen will. Dazu braucht er eine Menge Stein. Er macht sich also auf den Weg zur FLaxwiese, wo er einige Vorkommen gesichtet hatte. Dort angekommen findet er Joran vor, der bereits am Abbauen der Steinvorkommen ist. 

Lösung 1: Beide begrüßen sich zunächst überschwänglich mit „G“ und bauen jeder für sich Stein ab bis keines mehr da ist. Dolph begnügt sich damit weniger abbekommen zu haben und träumt von besseren Tagen an denen er früher aufsteht und als erster am Vorkommen ist.

Auch diese Lösung ist Ok, ganz ohne ein Wort zu wechseln einigen sich hier zwei friedlebende auf eine gemeinsame Lösung.

Lösung 2: Dolph läuft unauffällig an Joran vorbei, zuckt hinter seinem Rücken das Beil und drischt auf Joran ein um ihm seinen gefarmten Stein und am besten alles andere abzunehmen.

So kann es mal gerne auf den „normalen“ Servern laufen, genau genommen reicht es da oft überhaupt mal einen anderen Spieler zu erspähen, um die Absicht zu fassen ihn umzubringen – einfach so, weil’s ja Spaß macht jemandem den Tag zu vermiesen – So soll es bei uns nicht laufen.

Lösung 3: Dolph benutzt den Worldchat oder den Voice Chat: „Grüß dich Fremder!“ Läutet er seinen Satz ein und Joran erwidert sogleich. Während beide abbauen, unterhalten sie sich darüber wo es noch mehr Stein gibt und wie man ihm am effektivsten abbaut und ob es sich lohnt die Steine, die überall rumliegen mit einzustecken. (Je nach Rollenspiel und Wirtschaft kann man diese Unterhaltung auch nett mittelalterlich gestalten)

Das Paradebeispiel für friedliche Charachtere.

Lösung 4: Dolph ist stinksauer, weil er seine Burg nicht am selben Tag fertigstellen kann und stampft auf Joran zu und benutzt den Voicechat/Worldchat „Elender! Das sind meine Steine!“. Joran erwidert, dass die Steine für alle da sind. Dolph zieht, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, seinen Stahl-Kregshammer. Joran ist beeindruckt und bietet Dolph die Hälfte seiner Steine, wenn er Ihn am leben lässt. Dolph völlig überrascht willigt ein, da er ohnehin wenig Lust hat in seiner schweren Plattenrüstung Ressourcen abzubauen. Später einigen sich beide bei einem Schluck Feuerwasser darauf zusammenzuarbeiten.

Dolph hat also einen Freund gewonnen, beide arbeiten nun gemeinsam an der Burg die nun schneller fertig wird.

Die Moral der Geschichte:

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten diese Situation aufzuschlüsseln und anders zu lösen. Wenn Joran partout nicht zahlen will, um am Leben zu bleiben und nach mehreren Warnungen von Dolph nicht einwilligt, wird er damit rechnen müssen. dass dieser Ihn angreift. Dann entscheidet der Kampf wer die Steine bekommt – Sich mit der Hälfte der Steine zufriedenzugeben, da man sich die Abbauzeit ja gespart hat, gehört aber ebenso zum guten Ton, wie wenn man das Angebot bekommt.

Hinzu kommt, dass man in einer Gruppe, einer Gemeinschaft, die beide durch Ihre Zusammenarbeit schaffen ohnehin stärker ist und effizienter arbeiten kann. Rollenspiel und Zusammenarbeit bieten viele Vorteile, wenn man sich damit zufriedenstellen kann nicht ALLES zubekommen – Mäßigung ist also eine wichtige Eigenschaft. Die Fähigkeit zur Reflektion ebenso, wie sich in das Gegenüber versetzen zu können, ist ebenfalls wichtig. 

Runterbrechen kann man das alles auf ein paar altbekannte Sprichwörter: 

„Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem Anderen zu“

UND

„Leben und leben lassen“

Danke fürs Lesen, Dein Freelancer.
Und jetzt interessiert mich natürlich auch Deine Meinung dazu. Schreib doch mal Deine Erfahrungen mit Rollenspielen in die Kommentare.


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